Doppel-Overtime-Drama

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ratiopharm ulm unterliegt nach intensivem Kampf und zweifacher Verlängerung im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München (102:104). Der Ulmer Protest gegen die Wertung des Spiels wurde anschließend abgewiesen.

Mit Worten ist nur schwer zu beschreiben, was sich an diesem Nachmittag im Münchener Audi Dome abspielte. Festhalten lässt sich aber eines: ratiopharm ulm hat dem Favoriten mit viel Herzblut, Moral und einer starken Leistung in der zweiten Halbzeit alles abverlangt. Und das, obwohl den Ulmern mit Per Günther, Chrissi Philipps und Tommy Klepeisz, der sich im Spiel gegen Bonn eine Schulterverletzung zuzog, wichtige Leistungsträger nicht zur Verfügung standen. „Ich möchte meinem Team ein großes Lob aussprechen, weil sie heute Charakter bewiesen haben. Wir haben gegen ein extrem starkes EuroLeague-Team gespielt, das im Gegensatz zum Spiel am vergangenen Freitag in Bestbesetzung angetreten ist. Wir waren heute ein ehrlicher Herausforderer und hatten mehrfach die Chance, das Spiel zu gewinnen“, zollt Head Coach Lakovic seinem Team Tribut. In den entscheidenden Minuten am Ende der regulären Spielzeit und der ersten Overtime gelang es seinem Team jedoch nicht, eine Führung über die Zeit zu bringen. „Dass wir heute nicht als Sieger vom Feld gegangen sind, liegt vor allem auch daran, dass wir in einigen wichtigen Momenten unsere Emotionen nicht kontrollieren konnten“, so Lakovic. Was dann in den letzten Sekunden des Krimis passierte, ist an Kuriosität kaum zu überbieten: Denn obwohl Wade Baldwin in zwei aufeinanderfolgenden Situationen erst sein viertes und dann sein fünftes Foul beging, verpassten es die Schiedsrichter bzw. das Kampfgericht, den Guard vom Feld zu verweisen, sodass dieser noch 1,5 Sekunden lang auf dem Parkett stand. Erst nach den anschließenden Freiwürfen von Obst fiel den Offiziellen der Fehler auf. Nachdem Münchens Radosevic fünf Sekunden vor dem Ende zwei Freiwürfe verfehlt hatte, bekamen die Ulmer dann trotzdem noch eine letzte Chance auf den Final-Einzug: John Petrucelli verfehlte den letzten Dreier-Versuch jedoch, woraufhin die Zeit endgültig abgelaufen war. Der Ulmer Protest gegen die Wertung des Spiels wurde von der Liga-Jury im Anschluss an das zweite Halbfinale abgewiesen. „Die Entscheidung war zu erwarten. Allerdings sind wir keine Breitensportveranstaltung. Das ist eine Pokalendrunde und da erwartet man von allen Spielbeteiligten eine andere Leistung. Die Entscheidung ändert nichts daran, dass wir uns benachteiligt fühlen. Jetzt heißt es sich auf die Playoffs zu konzentrieren“, kommentiert Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll.  

Offizielle Begründung der Liga-Jury:

„Ein Spieler, der fünf Fouls begangen hat, muss darüber von einem Schiedsrichter informiert werden und sofort aus dem Spiel ausscheiden (Art. 40 Abs. 1 der FIBA Regeln). Dies ist erst nach der nächsten Spielunterbrechung geschehen. Bis dahin hat der Spieler Baldwin IV, wenn auch nur für sehr kurze Zeit (Sekunden) regelwidrig am Spiel teilgenommen. Die FIBA Regeln sehen für einen solchen Fall keine Strafe vor, nicht gegen den Spieler, nicht gegen die Bank und auch nicht gegen das Kampfgericht. Für seine regelwidrige Teilnahme war keine Strafe zu verhängen. Der Spieler Baldwin IV musste nach Entdeckung seiner regelwidrigen Teilnahme das Spielfeld verlassen, ohne dabei die gegnerische Mannschaft zu benachteiligen (Regelinterpretation Art. 36 Abs. 15 der FIBA). Dies ist geschehen.“

Spielverlauf: 

Der Beginn des Halbfinals gestaltete sich sehr offen (9:8, 4.), ehe die Münchener Mitte des ersten Viertels bedingt von zwei Ulmer Turnovern einen ersten kleinen Run starten konnten (9:15, 6.). Doch auch nach der ersten Auszeit von Coach Lakovic konnte sein Team in der Offensive zunächst nicht zurück in einen Rhythmus finden, was die Hausherren nutzten, um sich weiter abzusetzen (11:20, 8.). Und auch wenn ratiopharm ulm mit energischen Drives von Caupain, Obst und Osetkowski wieder Zählbares auf die Anzeige bringen konnte, behaupteten die Bayern eine 8-Punkte-Führung bis zum Ende des ersten Viertels (18:26). Für Probleme in der Zone sorgte in der ersten Halbzeit vor allem Jaylen Reynolds, der sich mit seiner Physis einige Male unter dem Korb durchsetzen konnte und früh 13 Punkte auf dem Konto hatte. Doch auch ohne den Bigman auf dem Feld gelang es der Mannschaft von Andrea Trinchieri am Drücker zu bleiben und nach Fast-Break-Punkten von Lucic auf 26:40 davon zu ziehen (16.). Ein Dreier aus dem Dribbling von Andi Obst sorgte dann zwar erst einmal für etwas Entlastung, doch nach einem technischen Foul von Caupain, der zu dem Zeitpunkt bereits sein Drittes im Spiel verzeichnen musste, war das Momentum wieder dahin (29:45, 18.). Und obwohl der FCBB das Spiel auch im Anschluss unter Kontrolle hatte, gehörte die letzte Szene der Halbzeit den Ulmern: 0,9 Sekunden vor dem Ertönen des Buzzers wurde John Petrucelli beim Dreier-Versuch gefoult und verkürzte den Rückstand an der Freiwurflinie auf 36:49. 

Der zweite Durchgang begann mit Punkten von Cameron Clark aus der Mitteldistanz, woraufhin die Münchener jedoch schnell eine Antwort finden konnten (42:57, 22.). Ein schwerer Dreier von Andi Obst läutete dann jedoch wiederum eine Ulmer Druckphase ein, in der Troy Caupain den Rückstand im Fast-Break und von der Freiwurflinie in den einstelligen Bereich bringen konnte (49:57, 24.). Doch nachdem Clark einen versuchten Put-Back-Dunk auf den Ring hämmerte und damit die Chance verpasste weiter aufzuholen, war München erstmal wieder zur Stelle (52:62, 26.). Trotzdem war ratiopahrm ulm extrem präsent in dieser Phase und steigerte sich auch in der Defensive deutlich. Mit einem Vier-Punkt-Spiel brachte Andi Obst sein Team dann auch im Angriff zurück in die Spur. Und während die Hausherren in der Folge offensiv ins Stocken kamen, betrug der Rückstand nach Freiwürfen von Caupain nur noch drei Zähler (59:62, 27.). Der Ulmer Point Guard war es dann auch, der sein Team durch einen Dreier mit dem Ablauf der Zeit im dritten Viertel auf 68:69 heranbrachte. Und dass der 29-Jährige längst heiß gelaufen war, zeigte er dann auch zu Beginn des Schlussviertels und besorgte prompt die erste Führung der Donaustädter seit dem ersten Abschnitt (71:69, 32.). Bis auf einige Einzelaktionen brachten die Münchener im Angriff nicht mehr viel zustande, was vor allem auch an der aggressiven Verteidigung des Lakovic Temas lag, das vier Minuten vor dem Ende nach einem Clark-Jumper mit sechs Punkten führte (82:76). Zwar behaupteten die Ulmer ihre Führung auch in den folgenden Minuten, doch der Gastgeber konnte dank Lucic kurz vor dem Ende nochmal eine Antwort finden: Der Münchener Kapitän traf zunächst aus der Distanz und dann von der Freiwurflinie, um den erneuten Ausgleich zu besorgen (84:84, 39.). Und nachdem beide Teams ihre letzten Angriffspositionen nicht in etwas Zählbares umwandeln konnten, ging das packende Spiel in die Overtime. 

Nachdem dort zunächst Obst per Dreier für einen gelungenen Einstand sorgte, musste sich Troy Caupain nach seinem fünften Foul zweieinhalb Minuten vor dem Ende aus dem Spiel verabschieden. Doch auch ohne den Floor-General blieben die Ulmer zunächst spielbestimmend und setzten vor allem in der Defensive wichtige Akzente (91:86, 43.). Entschieden war das Spiel aber noch längst nicht. Denn nachdem die Ulmer es in der Folge verpassten zu punkten, glichen die Münchener in der Schlussminute durch Zipser und Lucic wieder aus (91:91). Mit dem letzten Angriff bekam Obst allerdings noch Chance das Spiel zu entscheiden, doch sein Dreierversuch landete auf dem Ring und nicht im Korb: Double-Overtime!  Nun waren es die Bayern, die vorlegten und nach Punkten durch Seeley und Zipser mit 93:97 führten (46.).  Conger wehrte sich anschließend zwar nochmal mit einem Dreier aus der Ecke, doch so langsam drohte das Spiel in Richtung der Hausherren zu kippen, die nach Punkten von Radosevic mit 96:102 in Front gingen. In den letzten Minuten überschlugen sich dann die Ereignisse: Erst verkürzte Holman aus der Distanz, dann wurde Obst von Baldwin zunächst in der Verteidigung und dann im Angriff gefoult, woraufhin Obst einen von zwei Freiwürfen verwandelte (102:104). Und obwohl Baldwin damit bereits sein fünftes Foul beging, verpassten es die Schiedsrichter und das Kampfgericht, den Guard vom Feld zu verweisen, sodass dieser noch 1,5 Sekunden lang auf dem Parkett stand. Nachdem Radosevic dann fünf Sekunden vor dem Ende zwei Freiwürfe vergeben hatte, bekamen die Ulmer sogar noch eine letzte Chance auf den Sieg: John Petrucelli verfehlte mit dem Ablauf der Zeit jedoch seinen Dreier-Versuch, wodurch die Partie entschieden war. Aufgrund der offensichtlichen Fehlentscheidung der Schiedsrichter in Bezug auf Wade Baldwin legten die Ulmer anschließend Protest ein. 

O-Ton:

Jaka Lakovic: „Ich möchte meinem Team ein großes Lob aussprechen, weil sie heute Charakter bewiesen haben. Wir haben gegen ein extremstarkes EuroLeague-Team gespielt, das im Gegensatz zum Spiel am vergangenen Freitag in Bestbesetzung angetreten ist. Wir waren heute ein ehrlicher Herausforderer und hatten mehrfach die Chance, das Spiel zu gewinnen. Unsere Würfe sind aber letztlich nicht gefallen. Dass wir heute nicht als Sieger vom Feld gegangen sind, liegt aber vor allem auch daran, dass wir in einigen wichtigen Momenten unsere Emotionen nicht kontrollieren konnten. Ich weiß nicht, ob das in irgendeiner Form sanktioniert wird. Ehrlich gesagt erwarte ich das nicht.“  

Dr. Thomas Stoll: „Die Entscheidung war zu erwarten. Allerdings sind wir keine Breitensportveranstaltung. Das ist eine Pokalendrunde und da erwartet man von allen Spielbeteiligten eine andere Leistung. Die Entscheidung ändert nichts daran, dass wir uns benachteiligt fühlen. Jetzt heißt es sich auf die Playoffs zu konzentrieren.“ 

Quelle: ratiopharm ulm, 15. Mai 2021

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