Die Bayern stehen nach ihrem Halbfinal-Thriller im Pokalfinale

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Die Bayern-Basketballer stehen nach einem 50-minütigen Overtime-Thriller im deutschen Pokal-Endspiel des Top Four: Die Mannschaft von Cheftrainer Andrea Trinchieri besiegte im ersten Halbfinale das formstärkste Team der vergangenen BBL-Wochen aus Ulm nach einem Kraftakt in zweimaliger Verlängerung 104:102 (49:36, 84:84, 91:91). Nach einer überzeugenden ersten Hälfte ließen die Münchner Defense und auch die Energie im dritten Abschnitt merklich nach, 32 Punkte gestattete man den in dieser Phase mit vier Dreiern erfolgreichen Schwaben; zu Beginn des vierten Abschnitts lag der FCBB erstmals seit dem 0:3 wieder hinten (69:71/31.). Reynolds kassierte sein fünftes Foul, bis zum 79:84 (38.) suchten die Bayern auf beiden Seiten vergebens nach Lösungen. 65 Sekunden vor Schluss hieß es 80:84, ehe Topscorer Vladimir Lucic (24) den Ausgleich schaffte, den Wurf zum Sieg aber verpasste. In der ersten Overtime hatten die Bayern die Chance zum Sieg, in der zweiten nach mehreren Münchner Fehlern in der Schlussminute noch die ebenbürtige Ulmer Mannschaft.

Das Endspiel findet am Sonntag ab 15 Uhr im Audi Dome gegen den Gewinner der zweiten Partie zwischen Göttingen und Berlin statt.Ratiopharm Ulm – FC Bayern Basketball 102:104 (91:91/84:84/36:49) n.2.V.

  • FCBB:Vladimir Lucic (24 Punkte/7 Rebounds), Wade Baldwin (20/6 Rebounds/9 Assists), Jalen Reynolds (15), Paul Zipser (11/6 Rebounds), Leon Radosevic (11/5 Rebounds), JaJuan Johnson (8/13 Rebounds), Zan Mark Sisko (7/6 Rebounds), D.J. Seeley (6/6 Assists), Sasha Grant (2), Robin Amaize, David Krämer und Jason George.
  • Topscorer Ulm:Troy Caupain (24 Punkte)
  • SchiedsrichterRobert Lottermoser, Clemens Fritz, Christof Madinger

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 26:18, 23:18, 20.32, 15:16 / 7:7, 13:11

Zahlen & Fakten – Zweier-Quote: 62 % (FCBB) // 40 % (Ulm); Dreier-Quote: 30 % // 37 %; Freiwurf-Quote: 63 % // 76 %; Rebounds: 47 // 44; Assists: 26 // 17; Ballverluste: 14 // 10.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Wir hatten eine sehr gute erste Halbzeit und ich glaube, der Wendepunkt war der letzte Ballbesitz vor der Pause, als wir ihnen noch drei Freiwürfe gaben. Danach kam Ulm besser aus der Kabine, sie haben hart gespielt und wir hatten eine Menge Ballverluste, die wir nicht hätten haben sollen. Aber ich möchte meinen Spielern gratulieren, wie sie dieses Spiel gewonnen haben, obwohl mehrere Spieler ausgefoult waren. Das war nicht einfach, wir haben ein großes Spiel gewonnen. (…) Es geht jetzt nicht darum, ob wir müde sind oder nicht, das ist jetzt eben unsere Verfassung. Wir hatten ein sehr schlechtes Spiel im Spielaufbau, auf dieser Position haben wir wirklich gelitten. In der ersten Halbzeit waren alle im Rhythmus, in der zweiten waren alle ohne Rhythmus. In der zweiten Hälfte haben wir wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde unser schlechtes Gesicht rausgeholt, da waren wir sehr schlecht. Aber wieder gehe ich mit dem Gefühl nach Hause, dass dieses Team nicht verlieren will und kämpft. In dieser Situation, mit den vielen Spielen, die wir schon absolviert haben und mit unseren Verletzungen sind wir nicht das beste Team. Aber wenn jemand anderes gewinnen will, muss er besser sein.“               

Vladimir Lucic: „Was für ein verrücktes Spiel, das ist eben der Pokal. Wir hatten eine gute erste Halbzeit, aber in der zweiten und in den Verlängerungen haben wir so viele Fehler gemacht. Wir haben jedoch gekämpft und das am Ende trotz der Fehler gut gemanaged, um zu gewinnen.“

Jaka Lakovic, Coach Ulm: „Ich muss meinen Spielern zu einem großen Spiel gratulieren, zu einem großen Kampf, zu großem Charakter und Zusammenhalt. Wir haben gegen ein großartiges EuroLeague-Team gespielt, sie diesmal mit vollem Kader, und wir waren ein echter Gegner. Ich denke, wir hatten dreimal die Chance, zu gewinnen, aber die Würfe gingen aus verschiedenen Gründen nicht rein, mal wegen einer starken Defense der Bayern, mal wiegen der Müdigkeit meiner Spieler. Das ist eben Basketball, aber der Grund für unsere Niederlage war ein Detail, und es war nicht Basketball, sondern die Kontrolle unserer Emotionen, die wir in einigen engen Momenten nicht besaßen. Aber Gratulation an Bayern, wir müssen uns jetzt erholen. (…) Ich weiß nicht, ob es (zum Protest) eine Sanktion gibt, und ehrlicherweise rechne ich auch nicht damit.“         

Das Spiel:

Wade Baldwin, D.J. Seeley, Vladimir Lucic, JaJuan Johnson und James Gist bildeten die Starting Five. Beide Teams warfen von der ersten Sekunde an alles in die Waagschale: Verteidigt wurde knackig, vorne waren die Trefferquoten gut. Nach knapp fünf Spielminuten und einem 7:0-Zwischenspurt lagen die Münchner 15:9 in Führung. Zipser kam von der Bank und lieferte direkt den Dreier zum 20:11 (8.). Die Bayern hatten die Ballverluste und die Rebounds im Griff, die gute Wurfausbeute zeugte von Willen und Konzentration – 26:18 nach zehn Minuten.

Der FCBB blieb offensiv: Baldwin und Sisko waren gemeinsam auf dem Parkett, im Zusammenspiel punkteten sie zum 30:20 (12.). Reynolds war nicht zu stoppen, zur Mitte von Viertel zwei hatte er schon 13 Punkte auf dem Konto (34:24/14.). Die Defensive der Bayern stand, der zweistellige Vorsprung wurde gehalten. Lucic eiferte Reynolds in Sachen makellose Trefferquote nach und scorte artistisch zum 40:26 (16.) – Auszeit Ulm. Die Bayern beraubten die Ulmer ihrer Stärken und ließen vorne kein bisschen nach, attackierten den Korb und vergrößerten den Vorsprung (45:29/19.). Baldwin wurde von Sisko nach einem Backdoor-Cut fantastisch bedient, der Dunking war das Sahnehäubchen der Aktion (47:31/19.). Auch Youngster Grant brachte sich mit einem Offensivrebound ein, die zwei Freiwürfe nach dem Foul saßen. Zur Halbzeit führten die Münchner 49:36. Ulm war nach Baldwins spätem Foul noch zu drei Freiwurf-Treffern gekommen.

Die Bayern verlieren ihre Defense und auch ihre Energie

Diese zeigten Wirkung, Ulm kam aggressiver aus der Pause, aber die Bayern hielten zunächst mit Verve dagegen. Baldwin und Johnson schraubten die Führung wieder auf 15 (55:40/23.). Ulms Andreas Obst riss das Spiel an sich und initiierte einen 7:0-Lauf, den Lucic mit einem Drei-Punkt-Spiel zunächst stoppte (60:49/25.). Obst traf aber weiter von draußen mit seinem fünften Dreier (62:57/26.). Dem FCBB schwanden die Kräfte, die Struktur im Aufbau ging verloren. Das Momentum war komplett beim Gegner, der das dritte Viertel klar für sich entschied (32:20); der Führungswechsel gelang ganz knapp nicht – 69:68.

Die Münchner waren dennoch völlig aus dem Rhythmus und trafen nicht mehr, Ulm ging in Front (69:71/31.). Reynolds setzte sich unter dem Korb erneut stark durch – und wurde für eine harmlose emotionale Reaktion mit einem Technischen Foul bestraft, leider sein fünftes (74:75/35.). Die Münchner agierten nun konfus und produzierten Ballverluste. Das konsequente Doppeln der Ulmer war nicht der alleinige Grund dafür sein. Siskos Dreier zum 79:82 war eminent wichtig (37.). Mit Beginn der Crunchtime lagen die Münchner 80:84 hinten, einmal mehr: Spannender geht es nicht. Lucic war zur Stelle – erst zog er das Offensivfoul, dann versenkte er den Dreier bei noch 55 Sekunden auf der Uhr (83:84). Erneut wurde Lucic gefoult, verwandelte aber nur einen von zwei Freiwürfen (84:84/noch 32 Sekunden). Eine starke Defensivsequenz verhinderte den Ulmer Treffer, Lucic hatte den Wurf zur Entscheidung auf der Hand, aber der Ball rollte raus – Verlängerung.

Lucic und Zipser gehen voran und erzwingen den Sieg

Ein Obst-Dreier eröffnete diese, Bayern war wieder unter Zugzwang (84:87/41.). Der FCBB suchte nach Organisation, das fünfte Foul von Johnson war keine gute Nachricht. Zipser und Baldwin vergaben jeweils einen Freiwurf, aber man war dran (86:88/43.). Die Bayern wirkten verkrampft und müde, aber ein Zipser-Korbleger verkürzte auf 88:91 (44.). 35 Sekunden waren noch auf der Uhr, als Lucic beim Dreier gefoult wurde, die drei Freiwürfe versenkte er – 91:91. Ein Dreier von Obst wurde gut verteidigt, wieder keine Entscheidung, Overtime Nummer zwei.

Obst verwarf jetzt, Seeley kam frei zum Dunking (93:91/46.). Die Bayern wirkten jetzt fokussierter und gewohnt leidenschaftlich. Lucic und Zipser trafen zum 97:93, Ulm antwortete wieder von jenseits der Dreierlinie (97:96/48.). Die dritte (!) Crunchtime brach an, Seeley versenkte den Dreier, kurz darauf war Radosevic da (102:96/noch 76 Sekunden). Eine großartige Verteidigungsaktion von, na klar: Lucic, brachte den Ballgewinn, Zipser setzte mit einem Korbleger vermeintlich den Haken hinter den Finaleinzug (104:96/noch 26 Sekunden). Aber binnen 18 Sekunden erzielten die nie aufgebenden Ulmer auf 104:101 (noch 8 Sekunden). Baldwin ließ sich zu einem Foul hinreißen, Ballverlust. Die Bayern foulten, Obst verwandelte nur einen (104:102). Leon Radosevic wurde nach dem Rebound natürlich sofort gefoult, verwarf aber beide Freiwürfe. Ulms Petrucelli hatte noch die Chance, den Münchnern mit dem Buzzer den Sieg zu entreißen, vorbei – Bayern im Finale um den Pokal. Ulm legte noch Protest ein, da die komplette Spielleitung samt Kommissar und Offiziellen wie alle anderen auf und am Feld Baldwins fünftes Foul zu spät bemerkten. Der Protest wurde von der BBL-Jury am späten Abend abgelehnt.

Quelle: FC Bayern Basketball, 15. Mai 2021

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