Kampfgeist wird nicht belohnt

s.Oliver Würzburg muss sich bei ratiopharm ulm mit 69:72 (28:34) knapp geschlagen geben – Bauermann: „Große Moral und Charakter bewiesen“

Die nächste starke Leistung, die nächste knappe Niederlage: s.Oliver Würzburg hatte am 13. Spieltag der easyCredit BBL in der ausverkauften Ulmer ratiopharm arena mit 69:72 (28:34) das Nachsehen. Zweimal holten die Unterfranken in einer hart umkämpften Partie einen zweistelligen Rückstand auf, gewannen die letzten drei Viertel und hatten am Ende mit einem Dreier die Chance auf die Verlängerung – der letzte Wurf von Abdul Gaddy wollte aber nicht in den Korb. Topscorer der Partie waren die Kapitäne der beiden Mannschaften: Kresimir Loncar und Per Günther erzielten jeweils 22 Punkte.

Trotz einer sehr starken Defensivleistung – Ulm erzielte in den ersten zwölf Spielen im Schnitt knapp 83 Punkte pro Bundesliga-Partie – und großem Kampf bis zur letzten Sekunde gelang es den Würzburgern am Samstag nicht, sich in der ausverkauften Ulmer Arena den Auswärtssieg zu sichern. „Die Jungs haben mehrmals nach einem hohen Rückstand große Moral und Charakter bewiesen und bis zum Schluss alles gegeben. Vielen Dank an die mitgereisten Fans, die uns stark unterstützt haben“, sagte Headcoach Dirk Bauermann nach der Partie: „Wenn du bei einer so starken Mannschaft wie Ulm die letzten drei Viertel gewinnst und dich am Ende in eine Situation bringst, das Spiel zu gewinnen, dann hast du ganz viel richtig gemacht.“

Im ersten Viertel lag es vor allem am Pech der Unterfranken im Abschluss, dass die Gastgeber sich schnell eine 19:7-Führung (7. Minute) herauswerfen konnten. Gleich mehrere Würfe und Korbleger schauten in den Ulmer Korb, sprangen dann aber wieder heraus. Auf Ulmer Seite waren es vor allem Da’Sean Butler, Isaac Fotu und Spielmacher Per Günther mit den ersten beiden seiner insgesamt sechs erfolgreichen Drei-Punkte-Würfe (bei sieben Versuchen), die zu Beginn die Akzente setzen konnten.

Ab der 7. Minute lief es dann besser für die Gäste. Grundlage für die erste Aufholjagd war die Verteidigung: Mehr als fünf Minuten lang gelang den Schwaben in eigener Halle kein einziger Punkt, so dass Würzburg nach einem 11:0-Lauf in der 12. Minute auf 19:18 verkürzen konnte. Spätestens von diesem Zeitpunkt an sahen 6.200 Zuschauer einen von beiden Seiten sehr intensiv geführten Kampf auf Augenhöhe, in dem s.Oliver Würzburg auf jeden Zwischenspurt der Gastgeber eine Antwort fand. Zum Beispiel Ende des zweiten und Anfang des dritten Viertels, als sich die Gäste vom Zwischenstand von 31:21 auf 34:30 herankämpfen konnten. Auch vom zweiten Zwölf-Punkte-Vorsprung der Ulmer nach einem Günther-Dreier zum 42:30 in der 23. Minute ließen sie sich nicht lange beeindrucken – nach einer Bauermann-Auszeit brauchten sie sechs Minuten, um wieder auf 51:50 (29. Minute) zu verkürzen.

In der 33. Minute war es DBB-Kapitän Robin Benzing, der von der Freiwurflinie für den Ausgleich sorgte (58:58). Nur eine Minute später holte Cliff Hammonds mit einem erfolgreichen Dreier die erste Würzburger Führung seit der ersten Minute: 60:61. In der Crunchtime hatte dann beide Teams die Chance, sich den Sieg zu schnappen. „Da kommt es dann auf das eine oder andere Big Play an, und das hat heute Ulm gemacht. Wir hätten den Sieg sicher auch verdient gehabt“, betonte Dirk Bauermann.

39 Sekunden vor dem Ende brachte Da’Sean Butler die Hausherren mit 70:67 in Front, Hammonds konterte mit einem Floater zum 70:69. Nach einem taktischen Foul war es dann mit knapp 16 verbleibenden Sekunden auf der Uhr Ryan Thompson, der zwei Freiwürfe zum Endstand verwandelte. In den letzten Sekunden gelang E.J. Singler ein Ballgewinn in der Nähe der Ulmer Grundlinie und der schnelle Pass zu Abdul Gaddy. Dessen Distanzwurf zur möglichen Verlängerung war aber nicht mehr erfolgreich.

ratiopharm ulm – s.Oliver Würzburg 72:69 (19:12, 15:16, 23:24, 15:17)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Kresimir Loncar 22 Punkte/3 Dreier, Clifford Hammonds 11/3 (5 Assists), Vytenis Lipkevicius 9/1 (3 Steals), Abdul Gaddy 9/1 (5 Assists), Robin Benzing 8, E.J. Singler 4 (7 Rebounds), Leon Kratzer 2, Maurice Stuckey 2, Vaughn Duggins 2, Dejan Kovacevic.

Top-Performer Ulm:
Günther 22/6, Fotu 16, Butler 11/1.

Key Stats
Punkte aus zweiten Chancen: Würzburg 4 – Ulm 12
Freiwürfe: Würzburg 3 von 4 (75 Prozent) – Ulm 10 von 15 (67 Prozent)
Dreierquote: Würzburg 31 Prozent (8 von 26) – Ulm 42 Prozent (8 von 19)

Stimmen zum Spiel:

Kresimir Loncar, s.Oliver Würzburg
„Es war eine gute Leistung von uns, aber wir haben trotzdem verloren. Ich bin es wirklich müde, immer so knapp mit zwei oder drei Punkten zu verlieren. So etwas tut weh, wenn du eine ganze Woche im Training hart gearbeitet und so gekämpft hast wie wir heute. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten, das ist Basketball. Dieses Spiel ist schon abgehakt, wir denken jetzt an das nächste Spiel gegen Ludwigsburg.“

Dirk Bauermann, Headcoach s.Oliver Würzburg
„Glückwunsch an Thorsten Leibenath und die Ulmer. Es war ein hart umkämpftes und sehr physisches Spiel. Ich glaube, dass auch wir es verdient gehabt hätten, das Spiel zu gewinnen. Wir sind schlecht ins Spiel gekommen, Ulm war am Anfang wacher und hat sehr klug über die großen Leute gespielt. Die letzten drei Viertel haben wir gewonnen, aber am Ende war es nicht genug. Die Mannschaft hat unglaublich Charakter bewiesen, wir sind sehr stolz auf die Leistung der Jungs. Das war gegen eine wirkliche Spitzenmannschaft eine Partie auf Augenhöhe. Wenn du dich gegen eine so starke Mannschaft am Ende in eine Situation bringt, das Spiel zu gewinnen, dann hast du ganz viel richtig gemacht. Dann kommt es auf das eine oder andere Big Play an, und das hat Ulm gemacht. Wir haben heute auf hohem Niveau verteidigt. Wenn man in Ulm nur 72 Punkte zulässt, darf man insgesamt zufrieden sein. Ich sehe aber in unseren Abläufen und Automatismen noch Luft nach oben. Unsere neu verpflichteten Spieler Vaughn Duggins und E.J. Singler, die beide eine hohe Qualität haben, brauchen noch etwas Zeit. Wenn sie auch offensiv Akzente setzen, wird unser Angriff noch zwingender und wir werden in der Lage sein, solche Spiele auch über die Angriffsleistung für uns zu entscheiden. Da sind Geduld und Zuversicht gefragt. Alles in Allem sind wir auf einem guten Weg.“

Per Günther, ratiopharm ulm
„Würzburg ist es im vierten Viertel gelungen, uns aus unserer Komfortzone raus zu bringen. Am Ende haben wir dann aber die entscheidenden Plays gemacht und freuen uns, das Spiel für uns entschieden zu haben. Wir haben viele Spieler in der Mannschaft, die im Angriff Verantwortung übernehmen können. Ich freue mich, wenn ich ab und zu solche Spiele wie heute habe, wo ich auch mal den Ball in den Korb werfen kann.“

Thorsten Leibenath, Headcoach ratiopharm ulm
„Wir haben gegen Robin Benzing insgesamt einen guten Job gemacht, vor allem Da’Sean Butler hat ihn herausragend verteidigt. Ich sehe uns nicht unbedingt als Spitzenteam, aber wir durften heute gegen eine Spitzenmannschaft spielen, daher freue ich mich sehr, dass wir das Spiel gewinnen konnten. Wir hatten einen guten Start, waren sehr fokussiert und haben in den Anfangsminuten sehr viel richtig gemacht. Würzburg konnte dann die Intensität hochfahren, aber sie kamen auch ausgeruhter in die Partie.. Meiner Mannschaft hat man dann angemerkt, dass sie mit zunehmender Spieldauer müder und müder wurde. Gerade Gaddy, Hammonds und Duggins sind richtig starke Verteidiger und haben uns vor Probleme gestellt. Trotzdem haben wir einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen – auch wenn das nicht immer schön ausgesehen hat. Wir haben uns vierzig Minuten gegen eine starke Mannschaft gestemmt. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Quelle: s.Oliver Würzburg, 16. Dezember 2017

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