Ohne Chance in Berlin – 63:99-Niederlage in der Hauptstadt

Die Reise in der Hauptstadt hat sich für die WALTER Tigers Tübingen nicht gelohnt. Zum einen verlor die Mannschaft von Trainer Tyron McCoy vor 7543 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena bei ALBA BERLIN deutlich mit 63:99 (28:51). Noch bitterer zeichnet sich die Verletzung von Leistungsträger Barry Stewart ab (siehe Dschungelgeflüster). Spielerisch demonstrierte die Mannschaft von ALBA-Trainer Aito Garcia Reneses über die gesamte Spieldauer ihre Überlegenheit, die Gäste lagen nicht einmal in Führung und waren in fast jeder Situation nur der zweite Sieger. Bereits nach den ersten zehn Spielminuten legte ALBA mit einem 27:12-Vorsprung den Grundstein für den späteren Sieg. Ob bei den Rebounds, bei den Assists, bei den Quoten aus dem Feld – der Gastgeber war in allen Bereichen schlichtweg besser. Bereits nach neun Minuten führte Berlin mit 20 Zählern (27:7), nach 38 Minuten sogar mit 30 Punkten (91:61). Es war eine harte Niederlage, die mit dem Ausfall von Stewart noch ungleich schwerer wiegt. Kris Richard war mit 23 Zählern Topscorer der Partie, allerdings erhielt dieser zu wenig Unterstützung von seinem Teamkameraden. Bei den Berlinern punkteten Dennis Clifford (17), Bogdan Radosavljevic (15), Peyton Siva (elf) und Joshiko Saibou (zehn) zweistellig. Die Tübinger haben jedoch keine Zeit zum Durchatmen. Bereits am späten Sonntagnachmittag empfangen die Unistädter kein geringeres Team als den deutschen Meister Brose Bamberg in der Paul Horn-Arena. Hochball ist um 17:30 Uhr. Tickets für das Duell gegen Bamberg sind verfügbar im Tigers-Onlineshop. Telekom Sport überträgt die Partie ab 17:15 Uhr aus Tübingen.

Die Stimmen:

Aito Garcia Reneses (Trainer ALBA BERLIN): „Mein Team hat gut gespielt heute. Wir sind mit guter Intensität aufgetreten und haben den Ball gut bewegt. Das war der Hauptunterschied zu der letzten Niederlage gegen Bremerhaven. Nun haben wir in 48 Stunden schon das nächste Spiel vor der Brust und stehen erneut vor der Herausforderung, die mentale und physische Frische nicht zu verlieren. Das ist sehr schwierig, aber wir müssen uns daran gewöhnen.“

Tyron McCoy (Trainer WALTER Tigers Tübingen): „Dieses Spiel war schon nach den ersten Minuten entschieden. Man muss es leider so feststellen. ALBA hat im ersten Viertel acht Offensiv-Rebounds geholt, dadurch sehr viele zweite Chancen erhalten und uns komplett aus der Zone raus gehalten. Nach dem 27:12 nach zehn Minuten waren sie komplett im Rhythmus und die Runs, die wir dann noch gestartet haben, haben keine Wirkung mehr gezeigt. Wir müssen in Spielen gegen Topmannschaften gleich in der Anfangsphase einen besseren Job machen.“

Der Spielverlauf:

Die Tübinger starteten mit Jared Jordan, Kris Richard, Ryan Brooks, Reggie Upshaw und Phillipp Heyden in die Partie. Der Gastgeber bestimmte die Anfangsminuten, das Team wirkte deutlicher wacher als bei der Niederlage im Spiel gegen die Eisbären Bremerhaven vor vier Tagen. Nach fünf Minuten führten die Hauptstädter bereits mit 11:3. ALBA-Center Dennis Clifford steuerte sieben Zähler bei, in der Defensive ärgerte Ex-Tiger Akeem Vargas Jared Jordan intensiv beim Spielaufbau. Die Raubkatzen kamen nur schwer in die Partie. Das größte Problem lag in der Reboundarbeit – die Berliner konnten sich in der Offensive immer wieder zweite Wurfchancen erspielen. Nach sechs Minuten nahm Tigers-Trainer Tyron McCoy seine erste Auszeit, nachdem der zweite Ex-Tigers Bogdan Radosavljevic beim Korberfolg noch gefoult wurde (Stand 15:5). Die Rollen waren klar verteilt, die Truppe von ALBA-Trainer Aito Garcia Reneses diktierte die Begegnung – in der Offensive, als auch in der Defensive. Bis zur neunten Minute legten die Berliner einen 12:0-Lauf auf das Parkett. Erst Richard stoppte mit einem Korbleger den Lauf des Kontrahenten – Spielstand 23:7. Mit der Schlusssekunde legte Mathis Mönninghoff das Spielgerät per Tip-in durch die gegnerische Reuse. Es waren gleichzeitig die ersten Zähler des 25-Jährigen im Tübinger Trikot. Nach zehn Minuten stand es bereits 27:12. Bitter: Die Raubkatzen leisteten sich bereits acht Ballverluste, dazu lautete das Rebound-Verhältnis 12:4.

ALBA spielt sich in einen Offensiv-Rausch

In der Folge kamen die McCoy-Schützlinge offensiv etwas besser in Fahrt, doch in der Defensive haperte es weiter. In der zwölften Minute gab ALBA-Akteur Spencer Butterfield nach längerer Verletzungspause sein Comeback, zwei Zeigerumdrehungen später erhöhte der US-Amerikaner auf 37:21. Die Schwaben intensivierten zwar viel, doch die Berliner hatten die Zügel weiter grifffest in der Hand. Die Raubkatzen wechselten in der Verteidigung zwar immer die Konzepte, die Berliner hatten jedoch immer eine Antwort parat – ein offensives Feuerwerk war die Folge. Nach 16 Minuten führte ALBA bereits mit 20 Zählern Vorsprung (44:24) – McCoy musste schon seine zweite Auszeit nehmen. Topscorer der Partie war bis dahin Clifford mit elf Zählern. Gegen den sehr wachen und intensiv spielenden Gegner leisteten sich die Raubkatzen insgesamt viel zu viele Fehler, was die Berliner konsequent ausnutzen konnten. 62 Sekunden vor der Halbzeitpause hatte ALBA bereits fast doppelt so viele Zähler erzielt wie die Gäste – Spielstand 51:26. Zur Halbzeit gingen die Berliner mit einer komfortablen 51:28-Führung in die Kabine.

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich nicht viel. ALBA dominierte weiter das Spielgeschehen. Vor allem Clifford bekamen die Gäste nie in den Griff. Gefühlt jeden Angriff schloss der bullige US-Amerikaner per Dunking ab. Nach 24 Minuten führte Berlin mit 59:33, zuvor hatte Reggie Upshaw einen schönen Tip-Dunk unter dem Raunen des Heimpublikums versenkt. Doch weiter spielte der Gastgeber mit großer Intensität und ließ die Tübinger nie richtig in die Partie kommen. Richard drückte den Rückstand nach 27 Minuten erstmals nach längerer Zeit wieder auf 20 Zähler (43:63). Jener Richard war der beste Akteur bei den Schwaben. Der 28-Jährige erzielte nach 30 Minuten bereits 15 Zähler. Bei Berlin sammelte Clifford satte 17 Punkte. Auch stark: Radosavljevic setzte sich immer wieder unter den Körben durch und war mit zehn Zählern bis dahin drittbester Korbjäger in der Partie. Nach 30 Minuten führte ALBA souverän mit 72:48 – die Partie war längst entschieden. Zwei Zahlen verdeutlichten den großen Unterschied in der Begegnung: Jeweils zehn Rebounds (29/19) und Assists (22/12) gelangen ALBA mehr.

Gastgeber scheiterte an der Hundertermarke

Einzig Richard hielt bei der McCoy-Truppe so richtig dagegen und setzte sich in der Offensive immer wieder gut in Szene. Per Dreier und einem Mitteldistanzwurf drückte der US-Amerikaner den Rückstand der Schwaben wieder unter 20 Punkte – 56:74, 32. Minute. Wenige Sekunden später war für Upshaw die Partie mit dem fünften Foul beendet. Reneses wechselte nun munter durch und gab jedem Spieler Einsatzzeiten. In der 35. Minute (78:58) wurden sogleich alle fünf Berliner Akteure getauscht. So erzielte ALBA-Nachwuchsspieler Hendrik Drescher per Dreier mit Brett die ersten Punkte seiner Karriere für den Hauptstadtclub – Spielstand 83:61, 36. Minute. Die Partie war längst entschieden. Es ging nur noch um die Frage, wie hoch der Sieg für ALBA ausfällt. Radosavljevic erzielte vier Zähler in Serie und erhöhte den Vorsprung erstmals auf 30 Punkte (91:61). Nach einem Foul von Richard am Berliner Center war auch für die zweite Raubkatze die Begegnung nach dem fünften Foul beendet. Richard kam am Ende auf 23 Zähler und war Topscorer der Partie. Eines schafften die Berliner jedoch nicht: Die 100-Punkte-Marke. Am Ende stand dennoch ein ungefährdeter 99:63-Erfolg für ALBA BERLIN fest.

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Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick auf das Spiel:

Radosavljevic kurz vor Vaterschaft: Ex-Tigers Spieler Bogdan Radosavljevic ist derzeit mächtig aufgeregt. Der 24-jährige, der von 2013 bis 2016 das Trikot der Raubkatzen trug, erwartet mit Ehefrau Jenny in diesen Tagen die Geburt des Sohnemanns. Die WALTER Tigers Tübingen wünschen dem jungen Paar viel Glück und Erfolg für die Geburt und den kommenden Lebensabschnitt zu dritt.

Stewart mit Handverletzung: In der elften Minuten blieb Tübingens Barry Stewart beim Spielstand von 27:14 am Boden liegen. Nach einem Zweikampf mit Dennis Clifford fiel der 29-Jährige über die Beine Marius Grigonis und verletzte am kleinen Finger an der rechten Hand. Für den US-Amerikaner war die Partie beendet, in der Kabine wurde Tübingens Nummer 24 von ALBA-Teamarzt Dr. Moritz Morawski ärztlich erstversorgt. In der Folge ging es jedoch mit dem Rettungswagen in das Berliner Unfallkrankenhaus nach Marzahn Klinik. Weitere Infos folgen.

Agent besucht Tigers-Quartett: Basketball-Agent Patrick King weilte am Freitagabend in der Mercedes-Benz-Arena. Er hatte auch allen Grund dafür, denn bei den Raubkatzen betreut der ehemalige deutsche Nationalspieler satte vier Klienten: Jared Jordan, Barry Stewart, Ryan Brooks und Tony Easley. Während die drei Erstgenannten und King sich bereits schon länger kennen, war es für den 30-jährigen Easley die erste Kontaktaufnahme mit King: „Wir haben uns persönlich noch nie getroffen. Daher freue mich ich mich sehr auf das Kennenlernen“, berichtete Easley nach dem Vormittagstraining in der Spielhalle.

Telekom-Kommentator bereits im Tübinger Trikot aktiv: Die Partie zwischen ALBA BERLIN und den WALTER Tigers Tigers Tübingen kommentierte Alexander Frisch. Der 42-jährige Rechtsanwalt war einst selbst Basketball-Profi, arbeitet aber bereits seit 2009 in der Hauptstadt als Rechtsanwalt. In der Spielzeit 2001/2002 stand Frisch einst auch bei den Schwaben, damals den Wired Minds Tübingen, in der Rückrunde unter Vertrag. „Er war ein netter Kerl, ein harter Arbeiter unter den Körben“, erinnerte sich Thomas Unger, Abteilungsleiter beim SV 03 Tübingen, zurück.

Mampuya als Sicherheit in Berlin dabei: Die Tübinger reisten am Donnerstagmittag mit elf Profi-Spielern in die Hauptstadt, um sämtliche Eventualitäten auszuschließen. Für den am Mittwoch 23 Jahre alt gewordenen Mampuya war es dabei auch eine Rückkehr in die Berliner Heimat. Die Familie und Freunde weilten ebenfalls in der Mercedes-Benz-Arena, wenngleich Mampuya am Ende auf der Bank Platz nehmen musste. Teamkollege Robert Zinn war nach seiner Schulterverletzung wieder einsatzbereit. Die Dienste von Mampuya sind am Samstagabend beim Topspiel in der Regionalliga wieder gefragt. Um 20 Uhr tritt die Mannschaft von Trainer Claus Sieghörtner bei den wiha Panthers in Schwenningen an.

Quelle: WALTER Tigers Tübingen, 6. Oktober 2017

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