Treue ALLSTARS

Das jährliche Bestentreffen als Indikator für Vereinstreue?!

Zur Halbzeit einer jeden BBL-Saison wählen Fans über eine Online-Abstimmung die beliebtesten und besten Spieler der Liga. Nach Zählung aller Stimmen werden zwei ALLSTAR Teams geformt, welche dann als „Team International“ und „Team National“ in einem gegeneinander antreten. Das jährliche Treffen der basketballerischen Creme de la Creme ist nicht nur Show und Party (für Fans und Spieler gleichermaßen), sondern auch ein Fingerzeig auf die Kaderpolitik der Clubs. Von den gewählten ALLSTARS bleiben deutlich mehr Akteure ihren Vereinen über den Sommer hinweg treu, als dies im Ligaschnitt der Fall ist.

Seit der Saison 2011/2012 werden die ALLSTAR Teams in „International“ und „National“ unterteilt, zuvor traten sie als Nord- und Süd-Auswahl gegeneinander an. In den vergangenen sechs Jahren haben insgesamt 72 von 137 ALLSTARS zur nachfolgenden Saison den Verein gewechselt – das entspricht 52,6 Prozent. Dabei liegt im „Team International“ die Wechselquote mit 61,2 Prozent deutlich höher als bei Spielern deutscher Staatsangehörigkeit. Aus dem „Team National“ heuerten lediglich 44,3 Prozent aller Spieler zur darauffolgenden Saison bei einem neuen Verein an. Auffällig ist, dass beide Werte unterhalb des Ligadurchschnitts angesiedelt sind. Eine umfangreiche Auswertung aller BBL-Transfers der letzten fünf Jahre hat ergeben, dass die Fluktuation innerhalb der Kader von Saison zu Saison satte 69,2 Prozent beträgt.

Das Paradebeispiel für einen ALLSTAR, der seinem Verein langfristig treu bleibt, ist Rickey Paulding. Der 1982 geborene US-Amerikaner gehört seit 2007 zum festen Bestandteil des Kaders der EWE Baskets Oldenburg und nahm in dieser Zeit an sechs Bestentreffen teil – zuletzt anno 2017 im Bonner Telekom Dome. Erst dieses Frühjahr verlängerte Paulding seinen Vertrag bei den Niedersachen bis 2019. Am Ende der Vertragslaufzeit wäre der sowohl als Shooting Guard als auch als Small Forward einsetzbare Flügel 36 Jahre alt. Es ist eine Seltenheit, dass Spieler in diesem hohen Basketball-Alter noch auf hohem Niveau aktiv sind. Pauldings Glück war, dass er von schweren Verletzungen weitestgehend verschont blieb und sein Körper auch im Herbst seiner Karriere den Belastungen eines Profi-Sportlers standhält. So ist es kein Wunder, dass der geborene Detroiter in Oldenburg die Rolle des Kapitäns übernommen hat. Nicht zuletzt der tiefe Ritt der „Donnervögel“ bis in die diesjährige Finalserie brachte dem 1,96 Meter-Mann viel Sympathie ein, wofür er vom BBL-Publikum nach 2008/2009 zum zweiten Mal zum „Beliebtesten Spieler“ gewählt wurde.

Ein weiterer Spieler, der lange Zeit für den gleichen Verein auf dem Parkett stand, ist Anton Gavel. Der 1984 in der Slowakei geborene Shooting Guard spielte von 2009 bis 2014 für Bamberg und gewann mit den Franken vier Meisterschaften. Von der Regnitz ging es für den Verteidigungsspezialisten an die Isar zum FC Bayern München, dem er bis heute treu geblieben ist. Der heute 32-Jährigen ist bekannt für eine sehr flache Flugkurve, was einer hohen Trefferquote aus der Distanz jedoch keinen Abbruch tut – so versenkte er 2013/2014 satte 44,2 Prozent aller Schüsse von „Downtown“. Als einziger BBL-Akteur stand Gavel allerdings bereits für beide Auswahl-Mannschaften auf dem Feld. Zur Saison 2013/2014 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und lief seither dreimal im Aufgebot des „Team National“ auf.

Das Bonner Beispiel für einen langfristig an den Club gebundenen ALLSTAR ist Jared Jordan – unabhängig von dem jähen Ende der Vereinstreue. Der Aufbau unterschrieb erstmals zur Saison 2009/2010 auf den Hartberg, wechselte nach der Saison gen Griechenland zu VAP Kolossos, kehrte jedoch anno 2011 jedoch zurück in die Bundesstadt. Jordan blieb den Magentafarbenen bis Februar 2014 treu, ehe er kurz vor Ende der Transferperiode nach Bamberg wechselte, um dort seinem Euroleague-Traum nachzuhechten. In den knapp vier Spielzeiten bei den Telekom Baskets wurde „The Wizard“ in den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 ins ALLSTAR Team berufen. Von Bamberg aus ging es für Jordan über San Sebastian in der spanischen ACB (2014/2015) schließlich abermals zurück in die Bundesliga. In Tübingen machte der Spielgestalter weiterhin das, was er am besten kann: Mitspieler in aussichtsreiche Positionen dirigieren und Assists verteilen (2016/2017: 7,8 ApS). So war es letztlich bloß eine Frage der Zeit, ehe Jordan die Spitze des All-Time-Assists-Rankings der Basketball Bundesliga übernehmen würde. Im Februar 2017 überholte der US-Amerikaner den bis dahin führenden Dru Joyce. Der Trauzeuge von Lebron James, welcher in der zweiten Saisonhälfte beim FC Bayern München anheuerte, steht derzeit bei 1.506 Assists, während Jordan nunmehr 1.528 direkte Korbvorlagen auf dem Konto hat.

Paulding, Gavel und Jordan sind drei Spieler, die entgegen bestehender Vermutungen und Trends zeigen, dass auch internationale ALLSTARS über längere Zeit bei einem Team in der Basketball Bundesliga bleiben können. Die Identifikation der Zuschauer mit den Spielern und dem jeweiligen Club steigt. Auch Bonns Kapitän Josh Mayo verlängerte nach seiner Teilnahme am diesjährigen Bestentreffen im Telekom Dome seinen Vertrag bei den Rheinländern um weitere zwei Jahre – ein Beleg für die überdurchschnittliche Treue eines ALLSTARS. Ob sich damit in umgekehrte Richtung darauf schließen lässt, dass Mayo im Januar 2018 nach Göttingen fährt, bleibt jedoch abzuwarten…

Quelle: Telekom Baskets Bonn, 20. September 2017

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