Serie endet mit Hallenverweis

ratiopharm ulm muss gegen den FC Bayern Basketball im Schlussviertel ohne Head Coach Thorsten Leibenath auskommen und die erste Bundesliga-Niederlage (68:83) hinnehmen.

Shortcut Nach 27 Siegen in Folge endet die Bundesliga-Rekordserie von ratiopharm ulm: Der FC Bayern Basketball gab am Samstagabend den Serienkiller in der zum 115. Mal in Folge ausverkauften ratiopharm arena und besiegte die Ulmer mit 68:83 (36:33). So sicherte sich das Team von Sasa Djordjevic auch den direkten Vergleich, wenngleich der Bayern-Coach sagt: „Dass wir noch Platz eins erreichen können, glaube ich nicht mehr.“ Der vielleicht entscheidende „Momentum Shift“ ereignete sich sechs Sekunden vor Ende des 3. Viertels: Beim Stand von 50:49 kassierten die Ulmer nach einem Foul von Taylor Braun gleich drei technische Fouls, von denen zwei auf das Konto des Ulmer Cheftrainers gingen – und eines auf das von Braun. Die Folge: Thorsten Leibenath wurde des Innenraums verwiesen, sodass Jesus Ramirez den Posten an der Seitenlinie übernahm. Die Bayern um Topscorer Bryce Taylor (19 Punkte) nutzten dies zum Führungswechsel und zum viertelübergreifenden 17:2-Lauf, der die Vorentscheidung (52:66, 34.) brachte. „Der Rauswurf hat uns das Momentum gegeben“, so Devin Booker, der seinen Positionskollegen und Liga-Topscorer Raymar Morgan bei 11 Punkten (5/14 FGs) hielt.

Keystats Mit nur 39 Prozent Trefferquote aus dem Feld schien ratiopharm ulm der offensive Rhythmus nach dem spielfreien Wochenende etwas zu fehlen. „Wir haben den Gameplan eingehalten, aber die Würfe sind heute einfach nicht gefallen“, so Assistant Coach Jesus Ramirez. Besonders eklatant war der Unterschied zwischen zwei der treffsichersten Teams im Zweipunkte-Bereich: Denn während Booker (6/6 2er) & Co. mit 68 Prozent aus der Nah- und Mitteldistanz glänzten, blieb ratiopharm ulm mit nur 12/31 Treffern in Korbnähe blass.

Spotlight Während auf Seite der Bayern gleich vier Spieler (Booker, Taylor, Zirbes, Joyce) mit einer 100-prozentigen Trefferquote aus dem Zweier-Bereich glänzen konnte, zeigte sich auf Ulmer Seite einzig Topscorer Augustine Rubit (23 Punkte, 5/8 2er) treffsicher. Dagegen kam Positionskollege Raymar Morgan gegen die Bayern-Defensive nie so richtig in Tritt. 11 Zähler und nur 4/11 Zweier bedeuten den zweitschlechtesten Saisonwert des MVP-Kandidaten. „Wir haben es defensiv geschafft, mit Raymar Morgan den besten Ulmer zu stoppen“, lobte Sasa Djordjevic die bayerische Defensivriege.

Play-by-Play

1. Viertel (12:12): Das Publikum musste ungewohnt lange stehen – nämlich 3:20 Minuten – bis Raymar Morgan es mit den ersten Punkten für das offensivstärkste Team der Liga erlöste (2:3). Doch während die Bayern durch die frühen Dreier von Gavel und Redding und Bookers Punkten an der Linie bzw. am Brett etwas an Fahrt aufnahmen (2:10), blieb die offensive Ausbeute der Gastgeber vorerst mau (2/8 2er, 0/5 3er). Dazu passte dann auch, dass Raymar Morgan an der Linie gleich beide Freiwürfe liegen ließ (4:12, 8.). Doch nur wenige Sekunden nachdem sich alle Zuschauer von ihren Plätzen erhoben hatten, schien sich die Energie regelrecht auf das Team zu übertragen: Nach einem Zucker-Anspiel von Per Günther, der sich gegen seinen Mentor Dru Joyce behauptete, traf Karsten Tadda von Downtown und netzte wenig später auch seine Versuche von der Linie ein (9:12, 9.). Den 8:0-Lauf perfekt machte Chris Babb rechtzeitig vor der ersten Viertelpause mit seinem ersten Distanztreffer zum 12:12-Ausgleich.

2. Viertel (24:21): Tadda blieb der Energizer bei ratiopharm ulm: Eine Passstaffette über Per Günther, Taylor Braun, „WoBo“ und Augustine Rubit vergoldete der „Kettenhund“ aus der rechten Ecke mit seinem zweiten Dreier (2/2) zum 15:16 (13.). Und ratiopharm ulm fand mit seiner mannschaftsdienlichen Spielweise (7 Assists) immer bessere Lösungen gegen die „derzeit beste Verteidigung der Liga“ (Leibenath): Von Downtown (5/7 im 2. Viertel) trafen nacheinander Rubit, Hobbs, Babb und Morgan und verwandelten den 18:21-Rückstand in eine 32:26-Führung (17.). Durch die beiden Dreier von Bryce Taylor blieben die Bayern zur Halbzeit aber im Geschäft (36:33).

3. Viertel (14:23): Wie zu Spielbeginn dauerte es auch nach der großen Pause etwas, bis der Ulmer Motor wieder auf Touren kam. Den Anzünder gab dann Rubit: Aus der Mitteldistanz trotz Foul (And-One) und dann von jenseits der 6,75 Meter gab sich der Power Forward eiskalt und brachte die ratiopharm arena damit erneut auf Betriebstemperatur (44:39, 35.). Nachdem Hobbs zwischenzeitlich auf 47:41 (36.) erhöhen konnte, war es aber erneut der treffsichere Bryce Taylor, der für das bayerische Lebenszeichen zum Viertelende sorgte (48:46, 29.). Und mehr noch: Nachdem erst Taylor Braun mit einem technischen Foul bestraft wurde, hatten die Schiedsrichter Thorsten Leibenath auf dem Kieker und verpassten dem Cheftrainer mit zwei „Ts“. Den folgenden Freiwurf-Regen verwandelte Bryce Taylor eiskalt (5/5), sodass die Gäste zum Viertelende nicht nur das Momentum, sondern auch die Führung (50:56) auf ihrer Seite hatten.

4. Viertel (18:27): Während an der Seitenlinie nun Jesus Ramirez den Leibenath-Posten übernahm, sorgte Raymar Morgan nach 0/3 im 3. Viertel für den 52:56-Anschluss. Doch dann mussten die vom Leibenath-Rauswurf immer noch irritiert wirkenden Ulmer einen 10:0-Lauf hinnehmen, der den Rückstand in den zweistelligen Bereich verfrachtete (52:66, 34.). Chris Babbs Dreier zum 57:66-Anschluss sorgte 5:55 Minuten vor dem Ende nochmal für etwas Hoffnung. Doch spätestens, als der Ex-Ulmer Dru Joyce seinen Dreier zum 60:74 verwandelte, war die erste Bundesliga-Niederlage von ratiopharm ulm in dieser Saison besiegelt. Die 6.200 Zuschauer ließen sich die Stimmung dadurch aber nicht trüben, als sie in der Schlussminute getreu dem Ulmer Motto „We are one“ geschlossen hinter ihrer Mannschaft standen und sangen: „Die Nummer eins, die Nummer eins im Land sind wir.“

Quotes

Jesus Ramirez (Assistant Coach ratiopharm ulm): „Die erste Saisonniederlage ist natürlich kein schönes Gefühl. Aber wir haben unseren Gameplan eingehalten, nur die Würfe sind nicht so verlässlich gefallen, wie sie es sonst tun. Wir müssen nun einige Anpassungen machen und fokussieren uns auf die beiden Spiele in der kommenden Woche.“

Aleksandar Djordjevic (Head Coach FC Bayern Basketball): „Das war heute ein großartiger Sieg und eine tolle Teamleistung, wir haben heute unsere Stärke bewiesen. Ich bin sehr glücklich über den Charakter, den wir heute an den Tag gelegt haben. Es ist sehr befriedigend, so gut gegen den Topfavoriten der Bundesliga aufgetreten zu sein. Wir haben es defensiv geschafft, mit Raymar Morgan den besten Ulmer zu stoppen und den Guards ihre Freiräume wegzunehmen. Im Angriff haben wir den Ball gut bewegt und unsere Bigs gefunden, was für mich heute ein Schlüssel war. Dass wir den ersten Platz in der Hauptrunde erreichen können, glaube ich aber nicht.“

Good to know Was macht der Topscorer der easyCredit BBL, wenn von der Freiwurflinie ohne Zähler (0/2) bleibt und einen Abend mit 11 Punkten und damit deutlich unter seinem Schnitt (19,2) beendet? Er geht direkt nach der Partie in die Trainingshalle und arbeitet an seinem Spiel. So praktiziert von Raymar Morgan, der nach einer kurzen Dusche umgehend ins Trainingszentrum fuhr, um eine Serie von Würfen zu nehmen. Respekt bzw. MVP-verdächtig!

Quelle: ratiopharm ulm, 8. April 2017

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