Spiel verloren, direkten Vergleich aber gewonnen: 76:77 in Berlin

Heroes Of Tomorrow sichern in letzter Sekunde zumindest den direkten Vergleich

medi bayreuth kann ganz offensichtlich nur Thriller! Nach dem unglaublichen Finale im Heimspiel gegen Tübingen, war auch die Partie des 27. Spieltages in der easyCredit Basketball Bundesliga zwischen ALBA BERLIN und den Heroes Of Tomorrow nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven. Erneut trennte beide Teams am Ende der Spielzeit nur ein einziger Punkt.

Diesmal hatte jedoch der Gegner der Mannschaft von Head Coach Raoul Korner hauchdünn die Nase vorne. Die knappe 76:77 (31:28) Niederlage vor 10.881 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena hatte am Ende aber auch etwas Positives zu bieten, denn nach dem 98:96 Sieg im Hinspiel, konnte sich medi bayreuth zumindest den direkten Vergleich im Duell mit dem Team aus der Bundeshauptstadt sichern.

Viele Fans hatten sich im Vorfeld dieser Partei einen Hauch von Playoffs versprochen und sie sollten nicht enttäuscht werden. Beide Teams gingen hoch konzentriert und engagiert in diese Partie. Sowohl Raoul Korner als auch sein Gegenüber Ahmet Caki hatte den Schwerpunkt ganz offensichtlich klar auf die Verteidigung gelegt. Aufgrund der hohen Intensität in der Defense fand keines der Teams so richtig zu seinem offensiven Rhythmus.

ALBA und medi investierten über die gesamte Spielzeit sehr viel, wodurch sich ein hoch interessantes und ausgeglichenes Spiel entwickelte. Dieses sollte, wie schon das Hinspiel, erst in den letzten Sekunden entschieden werden. Nuancen gaben diesmal am Ende den Ausschlag zugunsten der Berliner in einem Spiel, welches das Prädikat “Playoffs” zweifelsohne verdient hatte und auf dessen Neuauflage man sich in einer nach wie vor durchaus möglichen Playoff-Viertelfinalserie schon freuen darf.
Das sagt Bastian Doreth

“Nein. Wir jubeln nicht, denn wir haben ein Spiel verloren. Wenn man Profisportler ist, dann will man immer gewinnen, deshalb gibt es keinen Grund zum Jubeln, aber natürlich bin ich froh und auch glücklich, dass wir uns den direkten Vergleich sichern konnten. Das haben wir uns in diesem Spiel auch verdient. Für uns war diese Partie ein Warnschuss, denn wir haben gesehen, wie gefährlich Berlin sein kann und sollte es im Playoff-Viertelfinale tatsächlich dazu kommen, dass wir gegen Berlin spielen, dann müssen wir noch eine Schippe drauflegen, um solche Begegnungen dann auch für uns zu entscheiden.

Gerade offensiv haben wir heute kein gutes Spiel gemacht. Am Ende waren es Einzelaktionen, die uns in der Partie gehalten haben und uns letztlich auch den direkten Vergleich gebracht haben. In der Verteidigung haben wir zwar hart gearbeitet, aber ich glaube, dass wir das auch noch strukturell besser machen können.”
Die Partie kurz zusammengefasst

In den ersten Minuten sahen die knapp 11.000 Zuschauer zwei nervöse Teams, die erst in ihr jeweiliges Spiel finden mussten. Das 6:2 (5.) von De’Mon Brooks konnte ALBA schnell beantworten und durch Dragan Milosavljevic erstmals mit 7:6 (6.) in Führung gehen. Diese holte Nate Linhart mit einem Dreier zum 11:9 (8.) zurück.

Das zweite Viertel begann aus medi-Sicht nahezu optimal: Trey Lewis holte fünf Punkte in Folge, Andreas Seiferth und David Gonzalvez legten nach – ein 9:0 Lauf bedeutete das 22:10 (13.). ALBA antwortete aber passend, holte fünf Zähler in Serie und in der Folge Punkt um Punkt auf. Nach einem Dreier von Carl English (20:24, 16.) und erfolgreichen Kikanovic-Freiwürfen glich Dragan Milosavljevic in der 18. Minute zum umjubelten 24:24 aus. Dass medi dennoch zur Pause mit 31:28 führten, lag nun vor allem an Steve Wachalski, der in der Schlussphase fünf wichtige Punkte erzielte.

Auch nach dem Wechsel gehörte die Anfangsphase medi. Vom Einwurf der Berliner dauerte es nur drei Sekunden bis zu den ersten Bayreuther Punkten – Assem Marei fing den Einwurf ab und Kyan Anderson legte einen Sprint zum ALBA-Korb hin. Nach einem weiteren Lewis-Dreier betrug die Führung der Heroes Of Tomorrow in der 25. Minute beim 41:33 wieder acht Punkte. Die Albatrosse kamen aber nach einer Auszeit schnell wieder auf Schlagdistanz. Ein Dreier von Malcolm Miller eröffnete einen 7:0 Lauf, nach dem die medi-Führung auf 45:41 (28.) schmolz. Kurz vor der Viertelpause glich Niels Giffey zum 46:46 aus, der letzte Wurf von Nate Linhart brachte aber die neuerliche medi-Führung.

Im letzten Viertel nahm die Partie endgültig an Fahrt auf und beide Teams spielten auf Augenhöhe – ein echter Vorgeschmack auf die Playoffs. Malcolm Miller sorgte per Freiwurf nach langer Zeit wieder für eine Berliner Führung (49:48, 32.), die dann mit nahezu jedem Angriff wechselte. Dragan Milosavljevic brachte ALBA per Dreier mit 57:55 (35.) in Front und baute diese in der 36. Minute zum 61:57 aus. Zwei Minuten später gelangen ihm zwei Freiwürfe – 67:62. Doch entschieden war die Partie noch lange nicht, denn die Heroes Of Tomorrow hatten noch ein paar Dreier im Köcher. Während Milosavljevic an der Freiwurflinie Nerven aus Drahtseilen bewies und zum Matchwinner avancierte, sorgten mehrere Dreier aus zum Teil unmöglichen Situationen dafür, dass Kyan Andersons Buzzer Beater von der Mittellinie letztlich wenigstens den direkten Vergleich auf Seiten der Heroes Of Tomorrow hielt.

Drei Fakten zum Spiel

Dragan Milosavljevic: Ohne die Treffsicherheit und das starke Nervenkostüm des 27-jährigen Shooting Guard hätte ALBA die Partie womöglich nicht gewonnen. 13 der letzten 23 Berliner Punkte und seiner insgesamt 19 Zähler erzielte der Serbe in den letzten sechs Spielminuten. Alle seine acht Freiwürfe im Spiel verwandelte Milosavljevic, dazu holte er fünf Rebounds und verteilte zwei Assists – der Effektivitätswert von 19 war der beste seiner Mannschaft.

Intensität: Zu Beginn sahen die Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena nur wenige Punkte. Geschuldet war dies vor allem den Defensivleistungen beider Mannschaften. Sowohl medi als auch ALBA schenkte dem Gegner nicht viel. So brauchten beide Teams einige Zeit, um Lösungen zu finden und zu Punkten zu kommen. Im letzten Viertel wurden dann allein so viele Punkte wie in der gesamten ersten Halbzeit erzielt: 59. Zeit zum Verschnaufen blieb hier kaum und das Team von Head Coach Raoul Korner konnte einen Vorgeschmack von dem bekommen, was es ab der zweiten Mai-Woche erleben wird.

Wahnsinns-Dreier: Never give up – eine Maxime, nach der die Heroes Of Tomorrow am Abend auch in Berlin wieder einmal gespielt haben. Auch als ALBA BERLIN 26 Sekunden vor Spielende nach Freiwürfen von Dragan Milosavljevic mit 73:67 führte, versuchte man alles, um zumindest den direkten Vergleich mit zurück nach Bayreuth nehmen zu können. Mit Erfolg! Zunächst traf Steve Wachalski schnell von jenseits der 6,75 Meter, dann auch Kyan Anderson, nur noch zwei Zähler Rückstand. Auch als Malcolm Miller an der Freiwurflinie zum vorentscheidenden 77:73 einnetzte, warfen die Gäste noch einmal alles in die Waagschale und wurden belohnt. Erneut war es Spielmacher Anderson, der aus über neun Metern traf und den Albatrossen den Sieg zumindest ein wenig versalzen konnte.

Trainerstimmen

Raoul Korner (medi bayreuth): “ Ich war schon frustrierter nach Niederlagen als heute. Es war der für mich erwartete Kampf. Viele haben vielleicht mit einem Offensiv-Spektakel gerechnet, weil es der Ausrichtung der beiden Teams entspricht. Aber dafür war das Spiel in dieser Situation zu wichtig. Es war entsprechend intensiv und defensiv geprägt. Beide Teams haben kaum ihren Offense-Rhythmus gefunden, was natürlich auch an der Verteidigung lag. Im vierten Viertel haben dann beide Teams ihr Visier geöffnet und immer mehr versucht, das Spiel über den Angriff zu entscheiden. Wir hatten dann eine Phase, wo wir uns nicht genug auf uns konzentriert haben, die uns wohl das Spiel gekostet hat. Bei den Unsicherheiten, die ALBA heute gezeigt hat, hätten es eigentlich für einen Sieg reichen müssen. Da wir durch den letzten Dreier wenigstens noch den direkten Vergleich gerettet haben, ist die Niederlage erträglicher.”

Ahmet Caki (ALBA BERLIN): “Wir haben offensiv schlecht begonnen und zu hastig abgeschlossen. Ismet Akpinar war zwar zum Glück wieder an Bord, hat durch seine Verletzung aber naturgemäß etwas Spielrhythmus verloren. Auch im dritten Viertel sind wir wieder schlecht gestartet, aber dann hat uns unsere Bank gute Energie und defensive Stops gegeben. In den letzten Minuten hätten wir das Spiel besser kontrollieren müssen. Bayreuth ist ein sehr gutes Team, aber noch drei Dreier in der letzten Minute zu kassieren, ist nicht akzeptabel. Positiv und wichtig war aber unter dem Strich, dass wir als Team zusammengehalten haben, auch als es offensiv nicht gut gelaufen ist.”

ALBA BERLIN vs. medi bayreuth 77:76 ( 10:13 – 18:18 – 18:17 – 31:28 )

ALBA BERLIN: MILOSAVLJEVIC 19, KIKANOVIC 17, Giffey 10 (6 Assists), Miller 8 (7 Rebounds), Atsür 6, VARGAS 5, AKPINAR 5, English 4, GAFFNEY 3, Radosavljevic 0, ,Malu, Zylka.

Dreier: Milosavljevic 1, Giffey 1, Miller 1, Vargas 1, Akpinar 1, English 1, Gaffney 1.

medi bayreuth: LINHART 19 (9 Rebounds), LEWIS 16, ANDERSON 15 (5 Assists), Seiferth 8, Wachalski 8, MAREI 6, Gonzalvez 2, BROOKS 2, Doreth 0, Amaize.

Dreier: Linhart 3, Lewis 3, Anderson 2, Wachalski 2.

Schiedsrichter: Panther, Straube, Bittner.

Alle Statistiken unter www.easycredit-bbl.de/de/n/spielberichte/2016-17/nachbericht/2017-03-24-ber-bay/

Quelle: medi bayreuth, 25. März 2017

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