Im Nachfassen zum Clubrekord

ratiopharm ulm lässt 6.200 Zuschauer im zum 113. Mal in Folge ausverkauften Bundesliga-Spiel lange zittern, gewinnt dann aber gegen Rasta Vechta sein 24. Spiel in Serie (75:70, 44:30).

Shortcut So knapp war es in dieser Saison bei noch keinem Heimspiel in der easyCredit BBL. Als noch etwas mehr als zwei Minuten gegen Rasta Vechta zu spielen waren, versenkte Larry Gordon seinen dritten Dreier (3/4) zum 70:68 und ließ den Puls der 6.200 Zuschauer in die Höhe schnellen. Dass ratiopharm ulm trotz einer schwächeren Wurfquote (38%/50% FG) und dem verlorenen Rebound-Duell den 24. Saisonerfolg in Serie holte – und damit einen neuen Club-Rekord aufstellte (siehe „Good to know“) – hatte mit einer konsequenten Verteidigung zu tun, die Vechta zu 21 Ballverlusten zwang und auch in der hektischen Schlussphase den Unterschied ausmachte. „Das war definitiv eine unserer schwächeren Leistungen in der Bundesliga. Dennoch sind die 24 Siege beeindruckend, einen schwächeren Auftritt muss man der Mannschaft auch mal zugestehen“, so Head Coach Thorsten Leibenath.

Keystats Wenn der Tabellenerste gegen den Letzten des Tableaus sowohl bei den Assists (12/21), als auch bei den Rebounds und dem Feldwurfquoten-Vergleich den Kürzeren zieht, sagt das viel über die Intensität aus, mit der die Gäste die Herausforderung annahmen. „Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen. Es war eines unserer besten Spiele in der Saison“, lobte deshalb Vechtas Coach Doug Spradley. Hätte ratiopharm ulm die Gäste nicht zu so vielen Ballverlusten (21) gezwungen, „hätte es gut sein können, dass ich Doug zum Sieg hätte gratulieren müssen“, so Thorsten Leibenath.

Spotlight Mit 6 Offensiv-Rebounds war Augustine Rubit fast für die Hälfte der zweiten Ulmer Chancen (14) verantwortlich. Auch dank Rubits (15 Punkte) energischem Nachfassen konnte ratiopharm ulm eine deutlich unterdurchschnittliche Wurfquote kompensieren. Von einer Blessur, die sich Chris Babb in Oldenburg am Fuß zugezogen hatte, war gegen Vechta nichts zu sehen. In gewohnt kraftvoller Manier pflügte der Amerikaner durch seine 33 Minuten Einsatzzeit und lieferte mit 21 Punkten (5/10 Dreier) den besten offensiven Wert seines Teams. Als dritter Ulmer reihte sich Da‘Sean Butler mit 15 Zählern in die „double digits“ ein. Raymar Morgan (2) blieb indes das erste Mal in dieser Saison einstellig.

Play-by-Play

1. Viertel (18:15): Der Dunk von Augustine Rubit, mit dem der Big Man in der 5. Minute die 8:7-Führung erzielte, war ein wenig symptomatisch für die Ulmer Anfangsphase. Denn erst im Nachfassen donnerte Rubit das Spielgerät durch die Reuse. Ohne Fortune aus der Distanz (0-7) und auch aus dem Zweierbereich mit sechs Fehlversuchen (6/12), arbeiteten sich die Gastgeber durch die Anfangsminuten (12:13, 8.). Auch die Hereinnahme von Taylor Braun, der einen Monat nach seiner Fußverletzung erstmals wieder auf dem Parkett stand, brachte nicht den gewohnten offensiven Rhythmus. Passend zu diesem Stotterstart: Der erste Ulmer Dreier, den Chris Babb kurz vor Viertelende versenkte, resultierte aus der vierten zweiten Chance, die Rubit ermöglicht hatte.

2. Viertel (26:15): Als der Dreier-Bann einmal gebrochen war, legte ratiopharm ulm los. Befeuert durch einen Distanz-Treffer von Günther, einem Monsterblock von Braun am Ex-Ulmer Philipp Neumann und einem erneuten Rubit-Dunk zogen die Orangen auf 25:15 (12.) davon. Wenngleich die Gäste durch eine 6:0-Serie noch einmal verkürzen konnten, war ratiopharm ulm nun auf Betriebstemperatur und legte ebenfalls eine Serie (11:2) hin, um in der 17. Minute alles im Griff zu haben (36:23). Insbesondere auch Vechtas Topscorer Frank Gaines. Waren dem athletischen Guard im ersten Viertel noch 5 Punkte gelungen, so hielten ihn Chris Babb und Taylor Braun im zweiten Durchgang bei 2 Zählern. Einzige Kritik, die Leibenath lautstark über das Parkett brüllte: „Move the Ball“. Mit nur 8 Assists zur Halbzeit (insgesamt 12) war dem Coach zu wenig Bewegung im Spiel.

3. Viertel (19:25): Doch wie gut dieser Frank Gaines ist, der in einem gemeinsamen Jahr mit Chris Babb in der D-League einen Punkteschnitt von über 20 Punkten aufgelegt hatte, zeigte er zu Beginn der zweiten Halbzeit: Mit 6 Zählern in vier Minuten brachte er die Rastaner wieder auf 53:42 (24.) heran. Wenngleich Günther und Butler aus der Distanz Zählbares lieferten, waren die Gäste jetzt wieder im Spiel. Angeführt von ihrem Topscorer Frank Gaines, dem im dritten Viertel 12 seiner 19 Punkte gelangen, hatten sich die Gäste bis zur letzten Pause auf 63:55 heran gekämpft.

4. Viertel (12:15): Und auch der letzte Durchgang begann holprig – insbesondere für einen, für den gegen Vechta so gar nichts zusammenlief: Raymar Morgan (2 Punkte) leistete sich ein unsportliches Foul. Wenngleich die Atmosphäre und die Intensität nun hochgefahren wurden, verkürzte Rasta auf 3 Punkte (63:61, 33.). War das Ulmer Spiel bis zur Halbzeit fast Ballverlust-frei geblieben (2), häuften sich nun die Turnovers. Allein in den ersten vier Minuten des vierten Viertels kamen drei Ballverluste zusammen. Als Devin Searcy in der 36. Minute zum 65:65 ablegte, wackelten die Ulmer wie bisher noch nie in dieser Bundesliga-Saison. Doch ratiopharm ulm behielt die Nerven. Erst war es Tadda, der aus der Distanz traf, dann Günther, der sich zum Korb durchpowerte, und schließlich Babb, der mit seinem 5. Dreier einen Distanztreffer von Larry Gordon konterte (75:68). Dass der Tabellenführer letztlich den 24. Saisonsieg nicht mehr aus den Händen gab, hatte er allerdings seiner Defensive zu verdanken, die in der entscheidenden Schlussphase den Unterschied machte.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Für den Tabellenersten ist es gegen keinen Gegner leicht, wenn man nicht gut spielt. Ich muss Doug und Vechta zu einer starken Leistung beglückwünschen. Das wird anhand der Statistiken deutlich: Vechta hat besser geworfen, besser gereboundet und hatte mehr Assists. Den Sieg haben wir dennoch geholt, weil wir konsequent verteidigt haben und den Gegner in 21 Ballverluste zwingen konnten. Insgesamt haben wir uns aber in der zweiten Hälfte zu sehr auf unserem Polster ausgeruht und nicht mit der nötigen Körperspannung agiert. Das war definitiv eine unserer schwächeren Leistungen in der Bundesliga. Dennoch sind die 24 Siege beeindruckend, einen schwächeren Auftritt muss man der Mannschaft auch mal zugestehen.“

Doug Spradley (Head Coach RASTA Vechta): „Glückwunsch an Thorsten und seine Mannschaft. Es sind schwierige Voraussetzungen, wenn der Erste gegen den Letzten spielt. Aber ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen. Es war eines unserer besten Spiele in der Saison, besonders in der zweiten Halbzeit. Wir sind mit viel Energie rausgekommen und konnten unsere Fehler aus der ersten Hälfte minimieren. Ich habe den Jungs gerade in der Kabine gesagt, dass sie gekämpft haben und stolz auf sich sein können. Das war ein guter Schritt für uns, die wichtigen Spiele für uns kommen noch.“

Good to know So erfolgreich war noch kein Ulmer Team. Mit dem 24. Siegen in Serie bricht der Jahrgang von 2017 den der 2006er Ausgabe. Im 24. Bundesliga-Spiel knackt der ungeschlagene Tabellenführer den Clubrekord aus der Aufstiegssaison 2005/06 (23 Siege). Superior Partner Ehrmann gratuliert und verschenkt an die besten Fans der Liga 24 leckere Produktpakete voller Joghurt-Spezialitäten. Wer sich eines davon sichern will, schaut am morgigen Sonntag ab 9 Uhr auf der Facebook-Seite von ratiopharm ulm vorbei.

Quelle: ratiopharm ulm, 4. März 2017

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